#1 Laufen macht Schule von jbaudach 20.06.2019 11:28

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Laufen macht Schule Text IRINA STROHECKER Die Menschen sitzen zu viel, das fängt schon in der Kindheit an. Diese drei tollen Beispiele zeigen, wie bereits in der Schule der Spaß an der Bewegung gefördert werden kann Nur für Kinder: Der Sennelauf ist einzigartig in Deutschland Seit einigen Jahren warnen Gesundheitsexperten aus aller Welt, dass es kaum etwas Ungesünderes gibt, als den ganzen Tag auf einem Stuhl zu sitzen –so wie die meisten Menschen es bei der Arbeit tun. Aber das gilt nicht nur für Erwachsene! Wie viele Stunden, schätzen Sie, verbringen Kinder pro Tag im Sitzen? Sie werden es kaum glauben: im Schnitt fast genauso viel wie Sie! Ein Grundschüler sitzt in Deutschland durchschnittlich sieben bis neun Stunden pro Tag. Daneben schläft er neun Stunden, fünf Stunden steht er. Nur zwischen 30 und 50 Minuten täglich ist das durchschnittliche deutsche Kind richtig in Bewegung. Das ist höchst alarmierend! Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt für Kinder eine Stunde Sport pro Tag. Vermutlich fühlen Sie sich nicht angesprochen, weil Sie als Läufer es ja besser machen. Doch wenn Sie Kinder haben, wird Ihnen bestimmt mulmig zumute. Vielleicht fragen Sie sich: Fördere ich mein Kind richtig? Sollte ich es mal wieder auf die Laufrunde mitnehmen, es motivieren, mit dem Rad neben mir herzufahren, oder mit ihm beim Kids Run starten? Keine schlechte Idee, damit fördern Sie eine wichtige körperliche Fähigkeit: die Ausdauer. Gemeinsam mit Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit zählt diese zu den konditionellen Grundfähigkeiten. Wichtig für die kindliche Entwicklung ist außerdem eine gute Koordination. Es ist ein komplexes Zusammenspiel zahlreicher Faktoren, das man Motorik nennt. Wie fit ist der Nachwuchs? Die Kinder von heute können im Schnitt deutlich weniger weit und schnell rennen als vor 30 Jahren. Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordinationsvermögen haben stark nachgelassen. Kein Wunder: Kinder springen, balancieren und hüpfen viel weniger als früher. Zahlreiche Erstklässler können nicht mehr seilspringen, etliche schaffen keinen Purzelbaum. Aktuelle Statistiken sind erschreckend: 43 Prozent der Vier- bis 17-Jährigen erreichen beim Rumpfbeugen nicht den Boden; 35 Prozent sind nicht in der Lage, drei Schritte auf einem drei Zentimeter breiten Balken rückwärts zu balancieren. 86 Prozent können nicht eine Minute lang das Gleichgewicht halten, wenn sie auf einem Bein stehen –das zeigt die seit 2003 laufende Langzeitstudie „Motorik-Modul“des Karlsruher Instituts für Technologie, mit der die motorische Leistungsfähigkeit von rund 5000 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen vier und 17 Jahren erfasst wird. Die Folge des vielen Sitzens und des Bewegungsmangels: 40 Prozent aller Elf-bis 14-Jährigen klagen über Rückenschmerzen. Inaktivität in Kombination mit Überernährung lässt die Menschen immer dicker werden –bereits im Kindesalter. Im Jahr 2000 waren zehn Prozent der Kinder in Deutschland übergewichtig und drei Prozent adipös. Heute sind laut Daten des Robert-Koch-Instituts 21 Prozent der Drei- bis 17-Jährigen übergewichtig, darunter sechs Prozent im tiefroten Bereich. Das entspricht einer Steigerungsrate von 100 Prozent bei den stark übergewichtigen Kindern in den vergangenen 20 Jahren. „Wir müssen umdenken!“„Alle Systeme in uns Menschen sind bewegungsabhängig“, erklärt Jürgen Weineck, einer der renommiertesten Sportwissenschaftler Deutschlands, dessen Lehrbücher in mehr als 40 Sprachen übersetzt wurden. „Kinder haben einen immensen Bewegungsdrang. Wird er gebremst, entsteht ein Bewegungsstau, der sämtliche anderen wichtigen Entwicklungsstadien negativ beeinträchtigt“, sagt er und nennt ein konkretes Beispiel: „Jedes fünfte bis sechste deutsche Kind leidet an psychischen Störungen, zumeist depressiven Verstimmungen oder aggressiven Tendenzen. Aber: Je fitter die Kinder, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass sie Probleme mit der Psyche bekommen. Psychisch beeinträchtigte Kinder stören wiederum den Unterricht. Eine fünfminütige bewegte Pause könnte das verhindern“, so Weineck. Fazit des Experten: „Wir müssen komplett umdenken, wir brauchen eine andere Schulpolitik. Die Lernwelt darf keine reine Sitz- und Disziplinwelt bleiben, wir müssen uns dringend mehr bewegen!“Bislang ist die bewegte Schule an staatlichen Schulen noch ein Glücksfall: „Es hängt allein von der Sportaffinität des Schulleiters oder der Lehrer ab. Sind diese sportlich, liegt ihnen die bewegte Schule am Herzen, sind sie es nicht, wird der Unterrichtsalltag diszipliniert und stressig ‚durchgesessen‘.“Am besten funktioniert es dort, wo alle an einem Strang ziehen: Schule, Lehrer, Eltern und Vereine. Drei Schulen, die das mustergültig vorführen, stellen wir auf den folgenden Seiten vor. Kommen Sie mit auf eine Reise ins Bewegungsschlaraffenland!

Quelle runners world

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